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CORE (2002)

für Orchester

Auftragswerk des Lucerne Festivals und der Pro Helvetia mit Unterstützung der Suisa-Stiftung für Musik

 

"Das Werk -zum Erklärungsanlass geschrumpft- verschweigt sich und alle seine Möglichkeiten. Zu seinen Möglichkeiten zählen auch die Missverständnisse."
(Wolfgang Rihm)

Im rund neunminütigen Orchesterstück "CORE", welches 2002 im Auftrag des Lucerne Festivals entstand, ging es darum, von Natur aus völlig heterogenes musikalisches Material durch gegenseitige Durchdringung zu einer homogenen unauflöslichen Einheit zu formen. Die verwendeten Bausteine entstammen grösstenteils einerseits dem im J ahr zuvor entstandenen Orchesterwerk "BOOST" (beide Stücke sind als Ecksätze eines dreiteiligen Zyklus gedacht) andererseits den Aufnahmen des Improvisations-Trios Koch-Schütz-Studer; Material also, welches teilweise unter ganz anderen als kompositorischen Gesichtspunkten entstanden ist. Dabei ging es nicht darum, eine "Crossover-Musik" zu schaffen, sondern ein klanglich homogenes Stück mit "Werkcharakter" entstehen zu lassen. Durch Selektion, Gewichtung, Umformung wurden diese "objects trouvés" strukturell tauglich gemacht,um sich mit dem eigenen Material zu verbinden, dass heisst, die Fähigkeit zu haben, Bestandteile des Werks zu bilden, ohne als Fremdkörper zu wirken. Deshalb hatten die Transformierungsprozesse zuallererst zum Ziel,die verschiedenen musikalischen Zellen ihrer (geo- graphischen und zeitlichen) Herkunft zu entledigen, sie damit quasi zu "entgrenzen", um sie in der Folge neu zu beschreiben, also zu entstellen bis zur Kenntlichkeit - zur Kenntlichkeit der eigenen musikalischen Sprache. Die Transformierung konnte auf der funktionellen Ebene so weit gehen, dass sich beispielsweise vormals fest programmierte Samples der Vorlage zu lebendigen Keimzellen für formale Entwicklungen wandelten, während im Gegenzug ursprünglich frei Improvisiertes zu fixierten, statischen Formeln gerann.

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