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«Composer-in-residence»: Dieter Ammann

 

«Ich mag es, wenn ich überrascht werde, wenn ich als Hörer in ein Wechselbad von musikalischen Zuständen geworfen und mitgerissen werde», erklärt Dieter Ammann, der «composer-in-residence» des Sommers 2010. «Mir ist Musik, die mich quasi ‹anspringt›, lieber als solche, bei der ich erst siebzehn Türen öffnen muss, bevor ich herausfinde, was die Substanz sein könnte.» Seine Erfahrungen als Hörer prägen auch Ammanns schöpferische Arbeit. Er unterwirft sich nicht irgendwelchen Ideologien und Doktrinen, er versteckt sich auch nicht hinter der akademischen Kunst der Materialbehandlung, sondern zeigt Mut zur Freiheit und zur Eigenart: «Deshalb gibt es auch tonale Gebilde bei mir, manchmal Räume, in denen Dissonanz und Konsonanz unterscheidbar sind, dann aber auch wieder das chromatische Total bis in die Vierteltönigkeit hinein.»

Vieles hebt Dieter Ammann von seinen Kollegen ab – das beginnt bereits mit seinem Werdegang. 1962 in Aarau geboren, fand er Zugang zur Musik über die Improvisation, über das Spielen nach Gehör. Er absolvierte die Jazzschule in Bern und war langst schon als Jazzmusiker ein Begriff, als er 1988 sein Kompositionsstudium an der Musikakademie Basel aufnahm. Notation empfinde er noch heute oft als «Umweg», gesteht Ammann und glaubt, dass er auch ein anderes Verhältnis zum Rhythmus habe. Nachteilig hat sich das aufseine Kunst nicht ausgewirkt: «Alles ist so frisch», schwärmte Wolfgang Rihm über Ammanns Musik. «Keine Sekunde Leerlauf, alles lebendig und im schönsten Sinne durchwachsen von Kraftlinien, die auch dann kräftig bleiben und ununterbrochen, wenn sie in widersprüchliche Richtungen zielen.»

Ensemblestücke, Streichquartette und Madrigale wird Dieter Ammann in Luzern vorstellen, dazu die beiden Orchesterwerke «Core» und «Boost», die er mit einem neuen dritten, «Turn» betitelt, zu einem Triptychon runden wird: Pierre Boulez und das LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra spielen die Uraufführung. Und natürlich wird Ammann auch als Improvisator zu erleben sein: beim Moderne-Wochenende «(z)eidgenössisCH» am 11./12. September.

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