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Musikalische Reise ins Ungewisse

Uraufführung in Luzern: "Turn" von Dieter Ammann
Von Roger Cahn

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Intensive Klangerlebnisse, voll geladen mit Energie, die sich oft durch eine enge Röhre pressen muss, bevor sie explodieren darf oder implodieren muss: Der Schweizer Komponist Dieter Amman und Dirigent Pierre Boulez stellten in Luzern "Turn" vor.

Pierre Boulez und das Lucerne Festival Academy Orchestra haben "Turn", das neue Werk des "composers in residence" 2010 im Rahmen eines Gesprächkonzerts einem interessierten und begeisterten Publikum vorgestellt. Der Schweizer Dieter Ammann (geboren 1962) erwies sich dabei nicht nur als ideenreicher Komponist, sondern auch als hervorragender Kommunikator.

Am Anfang war "Boost" (2001), was "Druck erhöhen, Spannung verstärken" bedeutet. Ein Stück voller Kontraste. Dann gab das Lucerne Festival dem Komponisten ein Jahr später den Auftrag zu einem zweiten Stück. "Core" (Kern), nannte es Ammann und beschrieb den Charakter sinnigerweise mit "Masse". Nun kommt ein dritter Teil als Auftrag für den "Composer in Residence" 2010 dazu: Turn" - Wendepunkt. Geplant als Adagio und langsames Bindeglied zwischen "Boost" und "Core", damit das Triptychon den Charakter einer Sinfonie bekomme.

Doch Ammann erlebt Komponieren als Reise ohne bekanntes Ziel. Und somit ist "Turn" kein richtig langsames Stück geworden, genauso wenig wie die beiden anderen eigentlich schnelle Stücke sind. Boulez soll bei den Proben bemerkt haben, seine Werke hätten wenig Struktur. Dafür bestechen sie durch eine Fülle an Klangfarben. "Ich will den Charakter der Instrumente ausreizen, sie nicht gegen den Strich bürsten", kommentierte der Komponist. Und tatsächlich sind all seine drei Stücke intensive Klangerlebnisse. Voll geladen mit Energie, die sich oft durch eine enge Röhre pressen muss, bevor sie explodieren darf oder implodieren muss. Typisch bei "Turn": Nach Explosionen - oder Implosionen - findet Amman immer wieder eine völlig neuartige Klangwelt. Um bei der Reise-Metapher zu bleiben: Man fährt in den Tunnel hinein und kommt in einer völlig neuen Landschaft wieder heraus.

Unter Pierre Boulez' Leitung wurde die Komplexität der Partitur außerordentlich transparent; nicht nur vom Kopf her, sondern auch vom Herzen. Ein Komponist kann sich kaum etwas Besseres wünschen, als sein Werk von Boulez mit diesem wachen und äußerst flexiblen Klangkörper, bestehend aus lauter begabten Musikerinnen und Musikern aus aller Welt, aus der Taufe gehoben zu erleben. Ammann dankbar. "Ich habe 'Boost' auch schon anders, weniger transparent, gehört."

Fazit: Dieter Ammanns sinfonisch-musikalische Reise ist voller Überraschungen.

Link: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1256213/

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